Shorai-Do Kempo

Shōrai-, (jap., zusammengesetzt aus 将来, dt. „Zukunft und , dt. „Weg“) bedeutet sinngemäß Zukunft des Weges aber auch Weg in die Zukunft. Die Bezeichnung „Kempō(jap. 拳法, dt. „Faustlehre“) rührt von der japanischen Leseweise zweier chinesischer Schriftzeichen her, die in China als Quánfǎausgesprochen werden. Im chinesischen Ursprungsland ist dies ein früher gebräuchlicher Überbegriff für alle Kampfkunstsysteme, kann also mit dem Wort „Kampfkunst“ übersetzt werden. Die Zukunft des Weges bzw. der Weg in die Zukunft meint also den Weg der Kampfkunst.

Der Name ist Ausdruck der Philosophie, der sich das Shōrai- verschrieben hat. Nämlich der Abkehr von Stilgrenzen, wie sie im Zuge der Modernisierung (ost-)asiatischer Kampfkünste zunehmend entstanden sind. Während die traditionellen Stilrichtungen ihren Weg in die Zukunft in Richtung Ausdifferenzierung und Abgrenzung zu anderen Systemen eingeschlagen haben, will Shōrai- den umgekehrten Weg gehen und Kampfkunst ursprünglich, nicht also als begrenzten Stil, sondern als offenes Prinzip vermitteln.

Die Idee geht auf das Wirken Lee Jun Fans, besser bekannt unter seinem amerikanischem Namen Bruce Lee, und auf das von ihm entwickelte Jeet Kune Do zurück, dessen Paradigma lautet: Benutze keinen Weg als Weg – habe keine Grenze als Grenze. Lee vertrat im Gegensatz zu den meisten großen Kampfkunstlehrern seiner Zeit die Ansicht, dass Kampfkunst der Individualität jedes Einzelnen gerecht werden müsse und nicht, wie in vielen ritualisierten Kampfkünsten der Fall, umgekehrt. Stile führen nach Ansicht Lees Grenzen ein, wo keine Grenzen sind, und laufen daher dem von ihm postulierten Ziel der Formlosigkeit im Kampf zuwider. Formlosigkeit sei jedoch notwendig, um erfolgreich zu kämpfen, da weder Kämpfende, noch Kampfsituationen sich in Formen pressen lassen. Ein guter Kämpfer müsse demzufolge „wie Wasser sein: nicht greifbar und doch in der Lage, einen Stein auszuhöhlen“.

An diese Philosophie knüpft auch das Shōrai- an. Auf Basis der Grundtechniken verschiedener ostasiatischer Kampfkünste sowie westlicher Kampfsportarten werden die Übenden befähigt, eigene körperliche und mentale Ressourcen zu erkennen, zu stärken und gezielt einzusetzen. Auf körperlicher Ebene sollen sie durch das Erlernen und Aneignen von Reaktionsmöglichkeiten auf Angriffe aller Art die Fähigkeit entwickeln, einen vom Gegner begonnenen Kampf mit ihren Mitteln anzunehmen und ohne erhebliche Schäden am eigenen Körper (und nach Möglichkeit auch an dem des Gegners) zu beenden. Auf geistiger Ebene sollen sie durch Stärkung des Selbstbewusstseins die Angst vor Kämpfen, gleich ob buchstäblicher oder metaphorischer Art, verlieren. Ziel des Shōrai- ist es, seine Übenden dazu zu befähigen, auf Konflikte aller Art adäquat, couragiert und verantwortungsbewusst antworten zu können.

Der Unterricht gliedert sich in zwei Teile: einen körperlichen, der das Üben von Grundtechniken (Kihon) und deren Anwendung in verschiedenen Formen der Partnerübungen bis hin zum Übungskampf (Randori) beinhaltet sowie einen geistigen, der aus einer Gesprächsrunde zu einem frei gewählten Thema und einer Sitzmeditation nach Methode des Zazen besteht. Der stilisierte Kampf (Kata) als weiterer Bestandteil des Unterrichts, beinhaltet sowohl körperliche als auch geistige Aspekte und nimmt daher eine Zwischenstellung ein.

Voraussetzungen, um das Shōrai- zu erlernen, braucht es wenige. Lediglich Wille und Geduld gilt es mitzubringen, da Kampfkunst weder einfach noch schnell zu erlernen ist. Voraussetzung, um das Training beginnen zu dürfen, ist prinzipiell eine humanistische Grundhaltung. Personen, welche sich über Kampfkunst profilieren oder diese gar aggressiv einsetzen wollen, sind im Übungsraum(Dōjō) nicht willkommen. Ebensowenig wie Personen mit extremistischen Einstellungen politischer und/oder religiöser Art.

Weitere Informationen auf der Webseite.